projekt 68: Eine Gemeinschaft im Jura - klein aber fein Bassecourt, Schweiz
weitere Fotos von Haus, Garten, Küche und Bad findest du hier..
Alec Schaerer, Nina Moreva, Stephan, Lucien - Rue de Champterez 19 - 2854 Bassecourt, Schweiz, phone 061 361 78 55 - mobil 077 464 68 10 - email
Bassecourt JU
Eine Gemeinschaft im Jura - klein aber fein
Nachdem wir zwei Jahre lang mit Hauskauf, Umbau und Einrichtung äusserst beschäftigt waren, suchen wir ab 1. Dezember 2014 zusätzliche Mitglieder. Es kann eine einzelne Person sein oder ein Paar, und es dürfen gern auch Kinder dabei sein (wir haben selber zwei Buben). Zur Verfügung im engeren Sinne stehen zwei geräumige Zimmer (je ca. 16 m2) mit Bad. Die Höhe der Miete oder Art der Beteiligung ist zu diskutieren. Um einen ersten Eindruck von uns zu erlauben, folgt hier eine kurze Schilderung der Situation und unserer Ideen.

Die menschliche und zwischenmenschliche Ebene
Wir sehen vorderhand noch aus wie die normale Kernfamilie: ein Paar mit zwei Kindern. Da ist Nina (39) und Alec (71) mit ihren beiden Buben Stephan (12) und Lucien (9). Aber wir sind grundsätzlich polyamorisch organisiert. Alec ist fliessend viersprachig (D, E, F, Sp, plus einigermassen It); Nina ist ethnisch gesehen eine Russin, kommt aus Zentralasien und bringt nebst D und E auch noch perfektes Russisch mit. Die Kinder sprechen Deutsch, Französisch, Russisch und ein wenig Englisch. Von der Gemeinschaftlichkeit her ist unsere Grundidee, dass es – nebst den üblichen Qualitäten wie Beziehungsnetz und Gartenbau / Permakultur – um ein internationales / interkontinentales Netzwerk von Gemeinschaften gehen müsste, mit anregendem Austausch, durch den man und frau sich nach Bedarf bewegen kann – je nach der Entwicklung der globalen Lage. Es ist sinnvoll, die weitere Vernetzung zu pflegen und einen Verbund zu bilden – als Pool, Genossenschaft, oder irgend so etwas.
Beruflich sind wir eine etwas kuriose Mischung. Alec fing mit Architektur und Planung an, geriet in grosse internationale Projekte und erlebte die Schwächen und Widersprüche auf der Führungsebene, bis hin zu Stupidität und Korruption. Das bewog ihn, sich wieder in die Hochschule zu begeben um das Ganze sinnvoll denken zu lernen. Daraus folgte eine Diss in Methodologie (ʻSystematische Ganzheitlichkeitʼ). Nun ist er zwar offiziell pensioniert, aber vielseitig tätig in humanitären Anliegen. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied in einem Forschungsinstitut für integrale Studien (www.ifis-freiburg.de). Nina fing einst mit Informatik an, interessierte sich besonders für die Interface-Fragen und wechselte später zu Soziologie, schreibt nebenbei eine Diss zu Gewaltprävention (angelehnt an eine sehr interessante Sache: ʻoriginal play’ als ein mögliches Modell für Gewaltprävention), beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen der Lebensführung und der Ausformung der Hände (sonst bekannt als Handanalyse), und interessiert sich auch noch für höhere Mathematik.
Was die zwischenmenschliche Ebene anbetrifft, sind uns einige Grund-Unterscheidungen wichtig, die oft nicht klar gemacht werden, die wir aber für wesentlich halten für den sicheren Durchblick im Gesamtzusammenhang – etwa Zivilstand versus Beziehungsform, Liebe versus Sex, Ehe versus Lebensversicherung, usw. Zu einer Klarheit wird oft erst durch gründliche Auseinandersetzungen gelangt. Wir betrachten alles als andauernd in Entwicklung stehend.
Wir denken dass zu Gemeinschaftlichkeit stets eine konstruktive Auseinandersetzung mit Andersartigem gehört – Kinder, andere ernsthafte Auffassungen und Kulturen, usw. Im Laufe der Zeit haben wir etwas Erfahrung mit Konfliktlösungsmethoden und Techniken gesammelt. Harmonie ist schon gut, aber nicht immer gegeben und man kann sie realistischerweise nicht voraussetzen oder als isolierte Oase pflegen wollen. Gerade in der Schweiz, aber auch in USA verläuft das Leben oft wie in Watte eingepackt, Übersättigung und Hochmut mit Selbstbetrug und Versinken im Junkfood und Mindjunk erlauben es kaum, ein Gespür zu entwickeln für wie es den Menschen zumute ist in Ländern, wo es keine anderen sozialen Auffangnetze gibt als die Familie im engeren Sinne, wo der Hunger regiert, wo Angst, Sterben und Tod an jeder Strassenecke lauern. Bemühungen um Systemänderungen scheinen uns daher sinnvoll zu sein – man muss jedoch herausfinden, wo der Hebel anzusetzen ist. Wir betrachten unsere Formen von Beziehung und gemeinsamer Tätigkeit immer auch als eine Art von Kulturprojekt.

Die übergeordnete globale Ebene
Interessant sind die Zusammenhänge zwischen den existenziellen Faktoren – etwa dem Klima und seinem Einfluss auf den Organismus, auf die zivilgesellschaftliche Stimmung, auf die Esskultur, die möglichen und unmöglichen Formen von Kooperation und insofern auch Arbeit und Wirtschaft, und die Implikationen für den Standort einer Gemeinschaft. Viele denken an warme Orte – aber viel Wärme macht den Organismus träge, der sich dann mit Gewürzen aufpeitscht, in der Stimmung weniger stabil ist, eher zu Gewalt neigen kann, usw. Zuviel Kälte verhärtet das Leben, verlangsamt es, führt zu starreren Strukturen. Dazwischen steht die gemässigte Zone, wo die lebendigsten Kulturen zustande kommen weil man sich bewegen muss, um etwas zu erreichen – wo man sich aber auch gern bewegt, weil es gut zum Organismus passt. Es ist ja interessant, dass man Wärme produzieren kann, aber Kälte nicht (Hauptgesetze der Thermodynamik: jede Erzeugung von Kälte erzeugt noch mehr Wärme). Wir selber haben den Jura gewählt mit seiner etwas rauen, aber gesunden Stimmung. – In einem Netzwerk kann jeder Standort seine Besonderheit zur Geltung bringen und zusammen kann man die Unterschiedlichkeiten in die Erlebbarkeit einbringen.
Letztlich geht es um das Leben als Prozess, als Entwicklungsgang, um das Selbstgefühl in der Entfaltung zwischen der Materie und den Weltgesetzen, Körperlichkeit und Psyche. Im Leben sollte die Spiritualität ebenso natürlich ihren Platz haben wie natürliche Körperlichkeit. Wo Bewegungen nicht aus klaren Gedanken folgen, ist etwas krank – oder umgekehrt gesagt: Wo sich jemand bewegt ohne klar zu wissen warum, herrscht etwas Pathologisches. Das gilt auch für die Bewegungen in der Psyche. Wir pflegen eine Spiritualität ohne jeden Glauben – nur das Anstreben von vollständiger Klarheit in und mit sich selbst. Das ist in sich selbst auch eine Dynamik – eine, die sich immer neu einpasst in die Weltwirklichkeit.

Die Ebene der lokalen Infrastruktur
Das Haus am Fuss der Freiberge haben wir in der Absicht gekauft, Gemeinschaftlichkeit darin entstehen zu lassen. Die Gegend ist schön mit bewaldeten Hügeln in allen Richtungen, etwas wild und doch noch zivilisiert. Das Dorf mit seinen rund 3'500 Einwohnern ist schon nicht mehr bäurisch und es gibt ziemlich viel Uhrenindustrie. Der Bahnhof ist nahe, alle halbe Stunden fährt ein Zug und in einer Stunde ist man in Basel oder Biel. Wir sind hier noch sehr nahe an der Sprachgrenze, aber offiziell schon in der Suisse Romande mit ihrer eher lockeren und charmanten Art, ohne ein Gefühl von Röschtigraben. Die Kantonshauptstadt Delémont ist nur 12 km weit weg, und doch ist hier es ruhig und das Leben ziemlich ländlich. Für den Einkauf sind die Möglichkeiten vergleichsweise sehr gut, da Bassecourt ein kleines regionales Subzentrum bildet. Am Bahnhof findet sich ein sehr sympathischer Denner-Satellit und am andern Ende des Dorfes ein Einkaufszentrum mit Coop Bau & Hobby.
Das Haus haben wir etwas umgebaut und erweitert. Vom Baulichen her ist die Idee, dass das Erdgeschoss eher für das öffentliche Leben dienen soll, wo man sich trifft und auch kleine Seminarien abhalten kann, während das Obergeschoss eher für das Privatleben ist. Das Haus hat jetzt zwei Küchen und zwei Badezimmer – je eines auf jedem Geschoss. Es bietet jetzt je nach Zählung zwischen 7 und 10 Räume, in denen man schlafen kann, und einen geräumigen Keller für allerlei (die Verwendung der Räume dort ist noch nicht definitiv bestimmt). Es gibt einen Garten von etwa 2300 m2, der jetzt wie ein kleiner wilder Park anmutet, mit einigen etwas wilden Fruchtbäumen. Darin ist auch ein Gemüsegarten am entstehen, dem wir uns gern widmen – auch um allmählich fachkundiger zu werden (Permakultur ist angestrebt).
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