eros & sophia 4

kreative beziehungen zwischen männern und frauen

in diesem text möchte ich versuchen, unseren hindernissen, glaubenssätzen und konzepten auf die spur zu kommen, die unserem glück im wege stehen. (fassung vom 25.8.05)

der richtige partner

gibt es ihn, den richtigen, den seelenpartner, die dualseele?

die meisten menschen haben eine mehr oder weniger genaue vorstellung, was sie brauchen würden, um glücklich zu sein: einen guten job, genug geld, liebe freunde und – das wichtigste - den richtigen partner!

 


unsere wünsche und erwartungen
viele frauen warten, warten beharrlich auf den richtigen. die männer suchen – die schöne, die attraktive, die um eine familie zu gründen, die für den schnellen sex... was die richtige ist, darüber gibt es dann ganz verschiedene vorstellungen. frauen haben andere erwartungen als männer, wie der prinz bez. die prinzessin sein muss.

ein glaubenssatz der sehr verbreitet ist heisst: „ich möchte mich wieder mal so richtig verlieben, ich möchte die schmetterlinge im bauch spüren.“ wenn ich so richtig verknallt bin, dann ist es ein starkes zeichen, dass es der richtige ist. der richtige ist oft ganz einfach der, der alle meine wünsche erfüllt oder zumindest möglichst viele. und ich brauche sie nicht einmal zu benennen. er spürt es einfach, er kann mir meine wünsche von den augen ablesen!

aber unsere wünsche sind stark geprägt von unseren konditionierungen, unseren kindheitserfahrungen, unseren traumatas. normalerweise sehnen wir uns nach dem, was wir von unserer mutter, von unserem vater nicht bekommen haben. viele beziehungsdramen haben ihren ursprung hier.


meine suche nach der richtigen
in meiner jugend habe ich meine beziehung oft gewechselt. wenn es probleme gab, hatte ich immer wieder das gefühl, es sei noch nicht die richtige. bis ich feststellen musste, dass ich immer wieder an dieselben probleme heran kam. da dämmerte mir, dass das auch etwas mit mir zu tun haben könnte. heute glaube ich, dass wir uns unsere partner nur sehr beschränkt aussuchen. das ganze läuft viel mehr nach dem resonanzprinzip. wir ziehen eigentlich immer genau die richtigen an, aber oft passen die richtigen nicht in unser konzept: zu klein, zu dick, zu unscheinbar, zu wenig espirit, zu wenig charme... meine traumfrau sieht anders aus, mein prinz ist mehr..

nach meiner zehnjähigen ehe war ich jahrelang auf der suche nach etwas freierem. eine offene beziehung, eine polyfrau oder sogar ein polyamory-netzwerk waren meine ideale. und was ist passiert? dauernd lernte ich sehr eifersüchtige monofrauen kennen, obwohl ich in allen möglichen polynetzwerken war, tantragruppen besuchte und auch dem mekka der sogenannten freien liebe (die meistens alles andere als frei ist) einen besuch abstattete. aber das resonanzprinzip zog etwas anderes an.

 

kann man kindheitstraumatas heilen?
mein grosses trauma aus der kindheit heisst: „angst verlassen zu werden“ und „angst vor liebesentzug“. aber um diese wunden zu heilen sind polyfrauen denkbar ungeeignet. die frauen, die ich mit diesem muster anzog, hatten meist diametral entgegengestzte beziehungsideale: ewige treue - bis dass der tod uns scheidet. viele reagierten mit panischer flucht, wenn sie nur schon etwas auf meiner homepage gelesen hatten.

 

die partnerinnen, mit denen ich dann eine beziehung lebte, waren sehr verschieden, aber in einigen punkten stimmten sie überein. sie waren eifersüchtig, fühlten sich schnell bedroht und sie verliessen mich immer wieder. den rekord erreichte eine borderlinerin, die mich in einem jahr ca. 15 mal verliess - und wieder kam. was war meine lektion dabei? ich hatte 15 mal die gelegenheit, mein muttertrauma zu bearbeiten. ich kann jetzt anders damit umgehen, fühle mich sicherer und unabhäniger. meine wunde ist zwar nicht geheilt, aber ich glaube nicht, dass man diese kindheitswunden jemals ganz heilen kann und muss.

von der reaktion zur aktion
jeder weiss intuitiv, was sein muster ist, seine prägung. irgendwann kommt man an den punkt, an dem man die welle des nächsten dramas bereits von weitem auf sich zukommen sieht. das ist der punkt, an dem man meiner meinung nach über dem berg ist. denn jetzt kann man sich je länger je freier entscheiden, wie man reagieren will. man kommt vom reagieren zum agieren. ab diesem punkt ist es nur noch eine frage der zeit, bis man immer mehr übung hat und immer besser damit klar kommt.

das ist der grund, warum die beziehungsarbeit auch so wichtig und fruchtbar ist. je mehr uns unsere muster und konditionierungen bewusst werden, desto mehr können wir uns befreien, können immer bewusster agieren statt unbewusst zu reagieren.

die richtige therapie
unsere liebesbeziehungen sind so etwas wie der ICE des lebens. wenn wir nicht ständig bremsen, den strom abstellen oder gar die notbremse ziehen, dann führt er uns in windeseile in neue dimensionen. doch dazu braucht es etwas mut, den mut zuzulassen, was ist. den mut, das anzunehmen, was mir das leben bringt. mich darauf einzulassen, mich davon berühren zu lassen.

das leben ist die beste therapie. es kommt immer genau das richtige: im richtigen moment, am richtigen ort, zur richtigen zeit, in der richtigen situation. es passieren immer die richtigen zufälle. die schwierigkeit ist, einfach darauf zu vertrauen, dass das so ist. wir sind misstrauisch, haben zweifel und angst, dass es schief läuft. wir denken die ganze zeit darüber nach und kreieren uns damit eine negative wirklichkeit. nach eckhard tolle hat unser denken suchtcharakter. er charakterisiert unser denken als besessenheit.

 

der richtige partner
in diesem sinn ist die richtige die falsche. miss. und mr. right sind ein phantom. der richtige ist immer der, der da ist. das gilt auch, wenn keiner da ist. dann geht es nämlich verstärkt und intensiver um die wichtigste beziehung in meinem leben, die beziehung zu mir selber. alles andere sind konzepte, die wir uns ausdenken, weil wir uns und unsere wirklichkeit nicht annehmen wollen. weil wir uns, die welt und unseren partner anders haben wollen.

eigentlich ist alles ganz einfach und doch: muss ich jetzt lernen, mir meinen raum zu nehmen und meinem partner grenzen zu setzen? oder muss ich sogar lernen, den mut aufzubringen, diese beziehung zu beenden, meinen partner zu verlassen? oder geht es darum, dass ich lerne mich einzulassen, zu dienen? was ist die lektion, die mich mein leben gerade lehrt? oft zerbrechen wir uns den kopf darüber, wie wir uns jetzt entscheiden sollen, anstatt auf unser herz zu hören.

das schönheitsideal
nach der borderlinerin nahm ich mir einmal mehr vor, mein schönheitsideal anzugehen, zu durchbrechen. sie war sehr schön, der sex war himmlisch, aber es war ein desaster. ich hatte wieder einmal das gefühl: je schöner, desto mehr probleme. ich war dann einige zeit single und versuchte die gelegenheit zu nutzen, meine beziehung zu mir selber zu verbessern.

dann kam eine frau in mein leben, die nicht meinem schönheitsideal entsprach. aber ich wollte meinem schicksal in die augen sehen und blieb dran. auch sie hatte diametral entgegengesetzte beziehungsvorstellungen. aber der sex wurde immer besser und wenn wir nicht über unsere beziehungsvorstellungen redeten, hatten wir es gut. auch sie verliess mich immer wieder mal. aber da ich jetzt gelernt hatte, damit umzugehen, war das drama nicht mehr so gross. jedenfalls für mich, für sie schon eher. so ging einige zeit ins land, die liebe wuchs und das interessante war - ich fand sie immer schöner. aber auch unsere auseinandersetzungen und konflikte wurden immer intensiver.

das polytreffen
die wende brachte dann ein polytreffen in berlin. da ich den ganzen sommer in berlin war, organisierte ich das erste treffen der polyamory-mailing-liste in berlin. erstaunlicherweise kamen aber nur zwei mitglieder der liste aus berlin. entweder waren alle polys gerade in den ferien, oder - was wahrscheinlicher war - sie hatten angst, sich zu outen. schlussendlich waren es aber doch fünf frauen und fünf männer, die sich zu einem sehr innigen abend trafen. einige reisten sogar aus hamburg und bonn bis nach berlin, um an dieses trffen zu kommen. ein teil der leute kannten sich schon und es liefen auch verschiedene beziehungen zwischen ihnen. sie hatten genau das, wovon ich träumte: ein poly-beziehungs-netzwerk. das war auch ein grund, warum sie so offen über ihre intimsten beziehungserfahrungen erzählten. es wurde ein wunderschöner, sehr berührender abend, an dem einige so persönliches von sich offenbarten, wie ich es vorher für ein einmaliges treffen nicht für möglich gehalten hätte. ihr ganzes beziehungsgeflecht mit all seinen nöten und freuden lag offen da.

da wurde mir plötzlich klar: diese menschen müssen/können/dürfen etwas ganz anderes lernen als ich. das, was sie leben, würde mir relativ leicht fallen, da ich von natur aus nicht eifersüchtig bin. aber meine wunden könnten nicht heilen, wenn ich so leben würde. und meine zweite wichtige erkenntniss war: ich hätte keine zeit mehr. ich wäre dermassen beschäftigt mit meinem zeitmanagement, um all meine beziehungen auf die reihe zu kriegen....

die gratwanderung
andererseits hörte ich am sommercamp mit thomas hübl nochmal in konzentrierer, humorvoller form all das, was ich in den letzten zwanzig jahren an spirituellem wissen gelesen und gehört hatte. zuhause angekommen dämmerte es mir wieder einmal:

ich hatte genau die richtige beziehung.

warum? wenn wir nicht über unsere beziehungskonzepte diskutierten, ging es uns ja gut. wir wurden sozusagen vom leben zu einer gratwanderung gezwungen. solange wir im hier und jetzt (auf dem grat) durch das leben wanderten, war alles schön und gut, aber sobald wir in den abgrund (unsere konzepte) schauten, bekamen wir angst und begannen zu diskutieren. und dann war regelmässig der teufel los. wir kreierten eine abwärtsspirale, die uns immer tiefer in den abgrund unserer konzepte stürzen liess. aber wenn es uns gelang, auf dem schmalen grat des hier und jetzt zu bleiben, war alles wunderbar...

was kann man sich mehr wünschen, als eine beziehung,
durch die man/frau lernt, im hier und jetzt zu bleiben?

 

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