beziehungsfähigkeit

der weg zur gemeinschaft

kurzfassung

 

wenn wir frieden schaffen wollen müssen wir auch in uns selber und in unseren beziehungen frieden schaffen. in den verschiedensten gruppierungen, können wir immer wieder die selben erfahrungen machen:

  • der weiterbestand einer gruppe steht und fällt mit der qualität der beziehungen.

  • wenn ich mich wohl fühle, wertschätzung und anerkennung bekomme bleibe ich, wenn nicht dann gehe ich.

  • die beziehungen und die gruppendynamik sind daher das fundament jeder sozialen/politischen/spirituellen arbeit.

 

wir möchten eine etwas spezielle gruppe initieren. ein raum, in dem engagierte menschen zusammen kommen, die sich trauen, das was zwischen uns passiert zuzulassen und anzuschauen. es soll nicht eine todernste sache geben, sondern eher etwas lustvolles. auch etwas sinnliches soll platz haben, zusammen essen (und kochen), baden, in die natur, massieren, wandern, körperarbeit... die treffen sollen nicht nur harte arbeit sein, sondern auch spass machen.

wir möchten erfahrungen machen, neues ausprobieren, aber auch die grenzen von allen beteiligten respektieren. an unserer beziehungsfähigkeit arbeiten heisst immer auch an der wichtigsten beziehung zu arbeiten, der beziehung zu mir selber. wir möchten auch gezielt verschiedene therapeutInnen für geleitete treffen oder work shops organisieren, um unser erfahungsspektrum auszuweiten.

hier ein paar ideen. wir möchten...

  1. unsere gefühle wahrnehmen und ausdrücken

  2. prozesse zulassen, ohne zu blocken

  3. unsere kommunikationskultur verbessern

  4. konflikte konstruktiv austragen, ohne dem/der partnerIn die schuld zuzuschieben

  5. uns unseren patriarchalen prägungen bewusst werden

  6. den krieg zwischen den geschlechtern beenden und neue friedensstrategien entwickeln

  7. an unseren kindheits-traumas arbeiten, die unsere heutigen beziehungen so unerkannt prägen und oft auch stören oder zerstören.

  8. uns auf eine möglichst ganzheitliche art weiterentwickeln, transformieren, ohne die sexualität davon auszuschliessen, wie das allgemein üblich ist

  9. unsere erfahrungen mit verschiedenen beziehungsformen austauschen und neue beziehungsformen kreieren

  10. unsere vorurteile, glaubenssätze und vorstellungen anschauen und verändern, ohne neue dogmen aufzustellen

  11. bewusstseinsbildung; uns unserer wirklichkeit in uns und um uns immer bewusster werden

  12. lernen zu unterscheiden ohne zu urteilen

     

kreative beziehungen

wie können wir unsere beziehungsfähigkeit verbessern?

 

ziel

wir setzen uns auf verschiedenen ebenen mit unserer beziehungsfähigkeit auseinandersetzen. es soll aber nicht nur eine arbeitgruppe werden, in der mit tierischem ernst probleme gewälzt werden. wir möchten auch zusammen spass haben und das leben geniessen. es soll auch für sinnliches platz haben, um kopf und bauchebene etwas im gleichgewicht zu halten und den abend besser geniessen zu können.

 

eigenverantwortung übernehmen

die therapeutischen gruppen sind üblicherweise so gestaltetet, dass die therapeutInnen/workshopleiterInnen etwas anbieten. die teilnehmer sind die konsumenten dieses angebots. wir wollen dieses muster durchbrechen, indem wir die verantwortung für die zeit, die wir zusammen verbringen, selber übernehmen und uns immer wieder darüber klar werden, was wir wollen. ganz grundsätzlich:

 

  • was will ich in diesem leben,

  • im gegenwärtigen lebensabschnitt,

  • aber auch gerade jetzt in dieser gruppe,

  • in diesem moment.

 

wenn es intensiver, wird wäre es sinnvoll die frequenz der treffen zu erhöhen und uns einmal pro woche zu treffen, um den prozess im fluss zu halten.

 

outdoor

neben unseren regelmässigen treffen am abend möchten wir aber auch zusammen etwas unternehmen, einen kleinen spaziergang, eine velotour oder ein pic-nic in der natur. das ist dann eher ein sonntag oder auch mal ein weekend.

 

workshops

als ergänzung möchten wir aber auch zusammen workshops besuchen, die uns interessieren. auch hier möchten wir nicht einfach eines der bestehenden angebote konsumieren, sondern zusammen mit dem/der betreffenden therapeuten/workshopleiterin unseren eigenen workshop kreieren.

 

muster

wir alle haben in unseren beziehungen schon die erfahrung gemacht, dass wir immer wieder an die selben verhaltensmuster herankommen, sowohl bei uns selber als auch bei unseren partnerInnen. diese muster verhindern oft, dass wir fähig sind, eine gute partnerschaft zu leben. wir haben deshalb verschiedene workshops zum thema kindheits-traumatas organisiert. wir trafen uns jeweils vor und nach den workshops um uns auszutauschen. wir hatten viel spass zusammen, aber die traumatas waren z.t. happige brocken, die ans „eingemachte“ gingen.

 

spielregeln

ich finde es wichtig, dass wir uns über ein paar grundlegende spielregeln einigen. hier die vorschläge, auf die wir uns bisher einigen konnten:

 

14.10.03

  1. von sich reden. es ist wichtig, darauf zu achten, dass wir lernen, bei uns zu bleiben und von uns zu reden. in ich-form reden.

  2. eigene grenzen wahrnehmen und kommunizieren. oft entstehen verletzungen dadurch, dass wir unsere grenzen nicht wahrnehmen und/oder diese den andern nicht mitteilen (können). solange ich nicht weiss, wo deine grenzen sind, überfahre oder überfordere ich dich, komme dir zu nah oder verletze dich.

  3. verantwortung übernehmen. normalerweise gibt es auf dem markt angebot und nachfrage, anbieter und konsumenten. in unserer gruppe haben wir die chance, beide rollen zu lernen. wir alle sind verantwortlich, wie wir unsere zeit zusammen verbringen, was wir machen, wie wir vorgehen. das gilt auch für die geleiteten gruppen. wir übernehmen die verantwortung für unsere workshops, wählen den/die therapeutIn und gestalten das programm zusammen.

  4. verbindlichkeit. verantwortung übernehmen heisst für mich auch, sich klar werden darüber, ob ich mich einlassen will, auf mich, auf dich, auf die gruppe. wenn ich mich auf einen tiefen prozess einlasse, öffne ich mein herz und bin dadurch auch verletzbar. deshalb brauche ich so etwas wie einen geschützten raum. nur wenn ich vertrauen kann, öffne ich mich. damit vertrauen wachsen kann, braucht es zeit. die besten und tiefsten erfahrungen machte ich bisher in jahresgruppen. nach einer ersten kennenlernen-phase entscheiden wir uns, für eine bestimmte zeit zusammen ein stück zu gehen, damit sich unsere beziehungen vertiefen können und vertrauen entsteht. wenn ich aus der gruppe austreten möchte, kündige ich das am anfang einer gruppe an, so dass noch raum ist, stellung zu nehmen.

 

  1. 23.10.04:

  2. 09.04.05:

  1. wir treffen uns monatlich jeweils vom fr 20.15h bis sa 17.00h

  2. es gibt halbjährlich einen workshop.

  3. wir versuchen, den termin jeweils ein halbes jahr zum voraus festzumachen.

  4. das depo für einen workshop/halbjahres-zyklus beträgt jeweils fr. 200.-

  5. das depo wird beim ersten treffen des halbjahres an denjenigen/diejenige bezahlt, der/die den workshop organisiert.

  6. wenn du aus irgendeinem grund nicht am workshop teilnimmst, verfällt das depo.

 

themen, ideen, vorschläge

wie verbessere ich meine beziehungsfähigkeit?

kommunikation
das a und o jeder beziehung ist sicher die kommunikation. aber eine gute kommunikation ist erst möglich, wenn ich mich selber und auch mein gegenüber wahrnehmen kann. echte kommunikation ist erst dann möglich, wenn ich fähig bin mein gegenüber dort abzuholen wo es steht. sonst redet man aneinander vorbei und entfernt sich von einander.

ein beispiel: es passiert mir immer wieder, dass meine partnerin mir etwas auf der gefühlsebene mitteilt. ohne das wahrzunehmen, antworte ich auf der kopfebene. dadurch reden wir zwar vom selben thema, aber trotzdem reden wir aneinander vorbei. beide fühlen sich nicht verstanden und haben das gefühl, an eine wand zu reden. es braucht dann nicht viel und es entzündet sich ein konflikt auf grund einer banalität. beide fühlen sich vom andern nicht verstanden und sitzen gelassen.

die beziehung zu mir selber
ist die voraussetzung für die beziehung zum du. ein beispiel aus meinem leben. kürzlich las ich das buch von alice miller „das drama des begabten kindes“. ich war begeistert, weil hier jemand sehr treffend formulierte, was ich selber erlebt hatte. ich musste als kind die erwartungen meiner mutter erfüllen, eine bestimmte rolle spielen. ich konnte nicht kind sein und hatte ständig angst vor liebesentzug und verlassenheit. das geht vielen so oder ähnlich. deshalb wurde das buch wohl auch zum bestseller. vor allem männer haben oft gar keine beziehung zu sich selber, können aber gut eine rolle spielen, als manager, im militär oder in der politik. viele identifizieren sich stark mit ihrem beruf.

deshalb redet man unter männern auch zuerst über beruf, haus, auto und frauen, aber selten oder gar nicht über sich selber. ich brauchte jahre, bis ich mich wieder besser wahrnehmen konnte und meine gefühle auszudrücken wagte.

Meine persönlichen Erfahrungen

(Auszüge aus meinem text eros & sophia 2)

Seit Millionen von Jahren wurden wir nach unserer Geburt von unseren Müttern monate- wenn nicht jahrelang am Körper getragen. Dann plötzlich kamen die Herrschenden einer neuen Kulturepoche auf die Idee, dass das nicht mehr chic ist und delegierten diese Aufgabe an „ausgebildetes“ Personal. Was das für Konsequenzen hatte, war ihnen wohl kaum bewusst. Auch TherapeutInnen, die ich auf dieses Thema ansprach, gehen davon aus, dass das Geburtstrauma das grösste Trauma im Leben eines Menschen ist. Was das bedeutet und wie wir damit umgehen können, darüber gehen die Meinungen auseinander. Meine persönliche Erfahrung in diesem Bereich war für mich sehr eindrücklich. Obwohl ich mich in den letzten zwanzig Jahren intensiv mit meinem biografischen Rucksack auseinandergesetzt hatte, wurde ich die Depressionen, die mich seit meinem 18. Lebensjahr begleiten, nicht los. Als ich auf die Bücher von Willi Maurer und Franz Renggli stiess, ging mir auf, dass ich all die Jahre nur den Bereich meiner Kindheit bearbeitete, an den ich mich erinnern konnte. Das ist der Zeitraum ab etwa vier Jahren. Ich konzentrierte mich in der folgenden Zeit auf die ersten Lebensjahre, von denen ich keine Erinnerungen mehr habe. Da ich schon viel Erfahrung und Übung in psychischer Arbeit hatte, gelang mir diese Aufarbeitung recht gut und es brachen ganz eindrückliche Bilder aus mir hervor. Ich sah den Schrecken des Säuglingssaales im Spital, mit dem kalten, gleissenden Licht und dem herzzerreissenden Hilfegeschrei all der kleinen Verlassenen und Verzweifelten. Auch sah ich meine Mutter, die mich im Kinderwagen liegen liess, weil das so üblich war. Was ich jedoch nicht erwartet hatte, waren all die positiven Bilder und Gefühle aus dieser Zeit. Ich lag im Kinderwagen und alles flimmerte und vibrierte. Ich fand es total spannend und interessant, was da alles ablief. Ich war ganz präsent und nahm alles wahr. Ich erlebte Zustände, wie ich sie bisher, bis auf eine Erfahrung aus meiner späteren Kindheit, eigentlich vor allem aus Beschreibungen von Mystikern wie Anker Larsen oder Manfred Kyber kannte. Willi Maurer meinte, dass das nur deshalb möglich sei, weil ich schon viel an mir gearbeitet hätte. Sonst würden zuerst einmal Wut, Aggression, Verzweiflung und Ohnmacht hochkommen.

Die Angst vor Ohnmacht
Nie in unserem Leben haben wir Menschen in den sog. Hochkulturen ein grösseres Ohnmachtsgefühl erdulden müssen als in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt. Da wir diese schmerzlichen, mit dem Weggelegt-worden-Sein verbundenen Gefühle abgespalten haben, fehlt uns das Bewusstsein darüber, dass sie unbewusst unser Handeln bestimmen. Die Angst vor dem alten Gefühl der Ohnmacht lässt den Menschen Strategien entwickeln, die ihm Macht verschaffen. Die Anwendung dieser Machtmittel erlaubt, das Gefühl der Ohnmacht abzuwenden. Es wäre ein allzu unerträgliches Gefühl, da es an die abgespaltenen frühen Kindheitssituationen rührt. Ich mache oft die Beobachtung, dass Menschen, deren Selbstwertgefühl früh gekränkt wurde, ihren Sinneswahrnehmungen nicht mehr trauen. Sie suchen dann Sicherheit und Zuflucht bei Glaubenssystemen, die ihnen sagen was richtig und falsch, gut oder böse, gesund oder ungesund ist. Diese Anhaftung an einen Glauben löst sich in gleichem Masse auf, wie Menschen in Kontakt mit ihrem Innersten, ihrem kleinen Kind kommen und wieder beginnen, ihren Sinneswahrnehmungen zu trauen und es ertragen, nicht alles wissen zu können.
(Maurer, Artikel "Re-ligion")

Aber die Depressionen kamen immer noch. Ich machte wieder einmal eine Erfahrung, die ich schon mehrmals gemacht hatte. Ich wusste jetzt zwar sehr genau, warum ich ein Problem habe, woher es kommt und was die Ursache ist. Aber verändert hat sich deshalb noch nichts oder nicht viel.

Der Durchbruch kam erst in der Beziehung mit meiner damaligen Freundin. Wir hatten beide eine etwa zwanzigjährige Therapieerfahrung und eine langjährige spirituelle Praxis. Wir begannen, unsere Probleme in unsere Meditationen hinein zu nehmen. Wir gaben all den abgespaltenen Teilen unserer Persönlichkeit Räume und Namen. Wir begannen ganz persönliche Beziehungen zu unseren Kindern aufzubauen und zu pflegen. Jeden Tag schauten wir, wie es unseren inneren Kindern geht, wo sie sind, was sie machen und was sie brauchen. Ich redete und spielte mit ihnen, ich nahm sie auf den Schoss und umarmte sie. Wir holten uns auch Hilfe bei den höheren Mächten, bei Gott und Göttin, bei Christus und bei den Engeln.

Das brachte „Dinge“ in den Fluss, die vorher blockiert waren. Es setzte ein Wandlungs- und Transformations-Prozess ein. Abgespaltene Teile meiner Persönlichkeit, die die Depressionen verursacht hatten, wurden wahrgenommen, gehört, umarmt, gepflegt. Es konnte so eine liebevolle Beziehung entstehen, der abgespaltene Teil konnte integriert werden.

Dann machte ich bei meiner Kinesiologin einen Workshop im Familien stellen. Familienstellen geht eigentlich auf alte schamanistische Praktiken zurück. Hellinger war ja vorher Missionar für die katholische Kirche in Afrika. Dort kam er in Kontakt mit Stammeskulturen, die mit ihren Ahnen kommunizierten. In diesem Workshop konnte eine starke negative Ahnenlinie, die diese Depressionen schon seit Generationen übertragen hatte, unterbrochen werden. Nach diesem Workshop hatte ich nie mehr eine Depression.

Was es jetzt ganz genau war, das den Durchbruch brachte, weiss ich nicht. Wahrscheinlich alles zusammen. Ich beschreibe das deshalb so genau, weil Depressionen heute so verbreitet sind und sich trotzdem die wenigsten trauen darüber zu reden. Natürlich könnte ich diese Heilungsprozesse noch viel detaillierter beschreiben und für Menschen, die von Depressionen zermürbt werden, wäre das wohl auch wichtig, um sich ein genaueres Bild machen zu können. Aber das gäbe dann einen weiteren Artikel. Aber allen, die das interessiert, gebe ich gerne Auskunft darüber.

 

fülle und mangel
wirklich beziehungsfähig fühle ich mich eigentlich nur dann, wenn ich im zustand der fülle bin, wenn ich mich verschenken kann, wenn ich meine liebe fliessen lassen kann. wenn das mein gegenüber annehmen kann, ist es schön, wenn nicht ist es auch ok.

bin ich aber im zustand des mangels, brauche ich etwas, liebe, zuneigung, zärtlichkeit, sex, mitgefühl, nähe, geborgenheit... und entwickle dadurch automatisch eine erwartungshaltung. das führt gern zu konflikten.

fülle und bedürftigkeit
als ein zentrales axiom stellte sich immer mehr das „gesetz der fülle“ heraus. wir merkten immer mehr, dass das entscheidende für jede beziehung, die beziehung zu uns selber war. diese erfahrung machten wir sowohl in zweierbeziehungen und um so mehr in mehrfachbeziehungen. wenn ich im zustand der fülle bin, kann ich mich verschenken, in jeder beziehung. wenn mein/e partnerInnen das annehmen können, ist es schön, wenn nicht, ist es auch kein problem. sobald ich aber nicht im zustand der fülle, sonder des mangels, der bedürftigkeit bin, kann ich ganz schlecht bedingungslos geben. ich entwickle dann sehr schnell erwartungshaltungen und wenn meine erwartungen nicht erfüllt werden, bin ich enttäuscht, gekränkt oder beleidigt. ich versuche dann, meine/n partnerIn so zu verändern, dass sie/er wieder meinen erwartungen entspricht. dadurch gibt es unweigerlich meinungsverschiedenheiten, die leicht eskalieren. meine erwartungen nach liebe, zuneigung und wärme werden jetzt noch mehr enttäuscht. ein teufelskreis. aber zum glück können wir uns entscheiden, welchen weg wir gehen wollen, wo wir uns wohler fühlen, im teufels- oder im engelskreis. nur geht das nicht von heute auf morgen. wir sind keine computer, bei denen man schnell die software auswechseln kann. bis wir uns „umprogrammiert“ haben, kann das jahre dauern.

 

konfliktfähigkeit
wie gehe ich mit konflikten um? ob eine neue beziehung trägt, sehen wir eigentlich erst genauer, wenn die erste verliebtheit abgeklungen ist, wenn der lack etwas angekratzt ist, wenn wir sehen, was hinter der fassade zum vorschein kommt. und das sehen wir meist erst dann, wenn wir die ersten happigen konflikte hinter uns haben.

 

oft scheint es so, dass wir diese freiheit, selber zu entscheiden gar nicht haben. wir werden übermannt (oder überfraut) von diesen kräften, sie nehmen uns in besitz und geben uns das gefühl, gar nicht mehr anders zu können. hier entstehen dann auch die beziehungsdelikte, wie mord und totschlag, vergewaltigung und gewalt in der beziehung.

ich gehe davon aus, dass es auch hier genauso ist wie mit allen gewohnheiten. je mehr wir uns etwas angewöhnt haben, je länger wir das machen, je älter diese gewohnheit ist, desto mehr haben wir uns in besitz nehmen lassen, desto kleiner wird unser entscheidungsspielraum, desto kleiner wird unsere freiheit, selber entscheiden zu können. ich erlebte das in den konflikten in den zehn jahren meiner ehe. ich brauchte lange, um meine konfliktkultur zu ändern. in dieser zeit lernte ich zu unterscheiden, zwischen konstruktiv und destruktiv streiten. und ich realisierte, dass dieser unterschied wie tag und nacht ist: wenn wir unsere konflikte destruktiv austrugen, verloren wir jedes mal unheimlich viel energie. man fühlt sich dann am boden zerstört, fix und fertig, zur schnecke gemacht. obwohl ich einen guten boden habe und mich auch relativ gut schützen kann, gingen mir diese bösartig ausgetragenen konflikte dermassen unter die haut, dass ich oft bis zu drei tagen brauchte, bis ich wieder einigermassen im gleichgewicht war. oft zog sich der konflicht auch noch über tage dahin, ohne dass wir es schafften, wieder frieden zu schliessen. das war sehr zermürben, ein energiefresser. das schlägt dann auf den körper zurück. mir schlägt das dann auf den magen.

ganz anders verliefen die konflikte, in denen es uns gelang, das absichtliche verletzen des partners zu unterlassen. wir sagten oder zeigten uns auch unsere gefühle, auch wenn das den andern verletzte. je nach dem wie hoch die emotionen gingen konnte es auch sein, dass wir uns unsere gefühle hemmungslos an „den kopf knallten“. aber schon rein dadurch, dass wir uns bemühten, die absicht, gezielt zu verletzen nicht mehr zuzulassen, wirkte wunder. gegen ende unserer ehe gelang es uns immer öfter, unsere emotionen schon nach kurzer zeit wieder herunter zu fahren, unseren streit zu beenden und in einem konstruktiven gespräch zu klären, was jetzt eben abgelaufen war. das gelang vor allem dann, wenn wir wach und präsent waren, wenn wir im hier und jetzt waren und wahrnehmen konnten, was ablief. dann gelang es uns oft, den streit zu schlichten bevor wir uns gegenseitig auf die palme katapultierten. das wirkte sich ganz enorm auf den energiehaushalt aus. wir brauchten so nur einen bruchteil der energie und hatten manchmal schon nach zwei, drei stunden wieder ein gutes gefühl. ich sage nicht, dass ich das jetzt gelernt hätte, dass ich jetzt nur noch konstruktiv streite. aber manchmal schaffe ich das und möchte das immer besser lernen. ich finde das einen zentralen punkt in einer beziehung. ohne eine konstruktive konfliktkultur ist eine echte partnerschaft in einer beziehung nicht möglich. denn es gibt keine beziehung ohne konflikte. es gibt wohl viele paare, die ihre konflikte nicht austragen, unterdrücken, verdrängen, unter den tisch wischen. am umgang mit konflikten kann man gut erkennen, ob eine beziehung partnerschaftlich oder symbiotisch ist.

weitere texte um thema findest du unter der rubrik eros & sophia.
die texte sind z.t. auszüge aus diesen artikeln.

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